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Oder-Niedrigwasser: Frachtschiffe liegen seit Monaten fest

Hausboot kaufen Redaktion3 Min. Lesezeit

Zwei Hausboote liegen an einem betonierten Ufer eines Kanals in ländlicher Umgebung.
Bild: Stephen Armstrong / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Auf einen BlickDetails
BetroffenFrachtschifffahrt auf der Oder
OrteLebus, Eisenhüttenstadt und Reitwein
Pegel FrankfurtSeit Frühjahr kaum über 1 Meter
Mittlerer Wasserstand2,10 Meter
Famet-1Sechzig Zentimeter Tiefgang

Frachtschiffe auf der Oder sind seit Monaten vom Niedrigwasser betroffen: Mehrere Schiffe liegen nahe Lebus fest, während die Fahrrinne nicht mehr markiert wird.

Was hält die Frachtschiffe fest?

Fact box: Das Schubschiff Famet-1

  • Die Famet-1 ist ein besonders leichtes Schubschiff aus einer südpolnischen Werft (rbb24.de).
  • Sie hat nur sechzig Zentimeter Tiefgang.
  • Das Schiff wird bereits auf der Oder eingesetzt.
  • Aktuell sitzt die Famet-1 nahe Reitwein auf Grund.

Der Frachter Island liegt nahe Lebus fest. Südlich davon wartet die Livia, ein ähnlicher Frachter, seit dem Frühsommer an einem Liegeplatz auf genügend Wasser unter dem Kiel. Am Flussufer haben sich breite Sandstrände gebildet, und einzelne Sandbänke ragen sogar über die Wasseroberfläche hinaus. Ende Oktober führt die Oder weiterhin Niedrigwasser.

Ist die Oder noch regulär befahrbar?

Die Wasserstraße ist derzeit nicht gesperrt. Wer sie dennoch befährt, nimmt nach Angaben von Steffen Zasada, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts Oder-Havel, jedoch ein eigenes Risiko in Kauf. Seit Mai führt das Amt keine Peilungen zur Kennzeichnung der Fahrrinne durch. Die Mitarbeiter können ihre Arbeitsschiffe auf der Oder inzwischen nicht mehr ohne Risiko einsetzen.

Davon ist auch der Hafen von Eisenhüttenstadt am Oder-Spree betroffen. Dort werden im Jahr lediglich 20 bis 30 Schiffe umgeschlagen, und zwar ausschließlich über den Oder-Spree-Kanal. Die städtische Hafenbetriebsgesellschaft verdient ihr Geld mit der Vermietung von Lagerflächen, erklärt Geschäftsführer Kai Hesse. Zudem arbeitet das Unternehmen am Ausbau der Schiene. Den größten Anteil der Transporte übernimmt nach seinen Angaben jedoch der Lastwagen, weil diese Verkehrsart am stärksten gefördert werde und am günstigsten sei.

Nach Hesses Einschätzung eignet sich der Hafen vor allem für Schüttgüter wie Baumaterialien, die auf die Oder gebracht werden sollen. Voraussetzung dafür wäre eine bessere Schiffbarkeit des Flusses. Für Leser, die parallel ein passendes Hausboot suchen, bündeln Angebote für Hausboote mit Liegeplatz und der Ratgeber zu den Kosten eines Liegeplatzes die entsprechenden Informationsangebote.

Warum kommt der geplante Ausbau nicht voran?

Ein bilateraler Vertrag von 2015 sieht Bauarbeiten zur Herstellung größerer Fahrtiefen vor, wird jedoch nur zögerlich umgesetzt. Auf polnischer Seite haben Gerichte die weitere Aufschüttung von Buhnen gestoppt, nachdem Umweltverbände dagegen geklagt hatten. Auf deutscher Seite ist die Strategische Umweltprüfung noch nicht abgeschlossen. Wie die geplanten Arbeiten umgesetzt werden, ist seit Jahren umstritten.

Gewässerökologe Christian Wolter vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei führt das außergewöhnlich lange Niedrigwasser auf Folgen des Klimawandels zurück (tagesschau.de). Nach seiner Einschätzung wurde das Oderprofil über viele Jahrzehnte so verändert, dass eine breite Fahrrinne entstehen und Hochwasser schnell abfließen konnten. In dieser breiten Rinne macht sich niedriges Wasser stärker bemerkbar. Dadurch entstehen Untiefen, die für die betroffenen Schiffe nicht mehr passierbar sind.

Welche Lösung nennt Christian Wolter?

Wolter empfiehlt, Landschaftselemente wie Auen und Moore zu stärken, die Wasser speichern können. Nach seiner Ansicht würde mehr Wasser in der Landschaft auch mehr Wasser im Fluss halten. Auenbewässerung und zusätzlicher Raum für die Flüsse könnten damit sowohl den natürlichen Hochwasserschutz als auch die Vorsorge gegen Dürren unterstützen.

"Wir müssen die Schiffe wieder den Flüssen anpassen, kleinere Transportkörper bauen." — Christian Wolter, Gewässerökologe und Oder-Experte

Wolter weist zugleich darauf hin, dass kleinere Transportkörper die Schifffahrt teurer machen, sie nach seiner Einschätzung aber umweltfreundlich halten. Die bereits auf der Oder eingesetzte Famet-1 zeigt die Grenzen des Ansatzes: Trotz ihres Tiefgangs von sechzig Zentimetern sitzt das Schubschiff derzeit nahe Reitwein fest.

Quellen

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